Was gibt es im Tal zu sehen?


 

Die Burgruine Fereyrolles

Über die Erbauer und die Geschichte der Burg Fereyrolles ist wenig bekannt. Doch der Ruine sieht man an, dass sie in zwei verschiedenen Bauperioden entstanden ist, wobei der aus rohen, unbehauenen Steinen bestehende Teil wohl der ältere sein dürfte. Wenn man als Quelle das Buch "Barjac en usege" von Abbe Paul-Jean Roux heranzieht, dann erfährt man, dass die Burg in den Händen der Grafen von Toulouse war, so lange diese Dynastie bestand, d.h. bis zum Anfang des 13ten Jahrhunderts.
Heide, Wälder und Brachland gehörten rechtsmäßig dem Grafen und wohl auch die Mühle, deren Grundmauern noch auf dem Gelände von La Genese zu finden sind. Der gräfliche Beamte wurde Lehensherr und erhob Wegzoll von Reisenden und Kaufleuten.
Zu Beginn des 14ten Jahrhunderts, am 14. September 1307, erhielt der Rechtsgelehrte Guillaume de Plaisan, Edler von Vezenobre und Cruzieres, vom König die Burg Fereyrolles mit ihren umliegenden Ländern.
Köhlerei

Zeugnisse vom Wirken und Werken des Menschen in geschichtlicher Zeit findet man auf Schritt und Tritt rund um Fereyrolles. Da sind zunächst die unzähligen Kohlplatten im Wald. Selbst an den Steilen Hängen erkennt man noch kleine runde Terrassen von nur wenigen Quadratmetern Grundfläche. Das hangseitige abgegrabene Erdreich ist Talseitig hinter Trockenmauern angefüllt und eingeebnet. Das Ganze ist noch bedeckt mit schwarzem Holzkohlenstaub, der dadurch seine Sterilität die Vegetation auf der Kohlplatte beeinträchtigt. Hin und wieder erkennt man im Gestrüpp noch die Grundmauern einer Köhlerhütte oder den Steinsatz eines längst versiegten und zugeschwemmten Brunnens. Hier blühte einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes, die Köhlerei.
Holzkohle war jahrhundertelang die unabdingbare Voraussetzung für das Schmelzen von Metallen und Glas. Erst die Holzkohle ermöglichte die Erzeugung von so hohen Temperaturen, wie sie für das Schmelzen von Metallen und Glas erforderlich sind. Die vielen Steineichen gaben beste Holzkohle ab, ihre tanninreiche Rinde eignete sich gut zum gerben von Leder und ihre Fruchtbecher wurden zum Färben benutzt. Kermeseichen ließen sich nur zu Holzkohle verarbeiten. Das Kalkbrennen verschlang eine erhebliche Menge Holz, denn ungelöschter und gelöschter Kalk wurde zu vielerlei Dingen benötigt, z.B. zur Desinfektion, zur Konservierung, zum Tünchen und zum Bauen.
Wie sah das Land um Fereyrolles früher aus?

Wenn diese Zusammenhänge und Zwänge kennt, dann kann man sich vorstellen, dass jahrhundertelang mit dem Wald Raubbau betrieben wurde. Jeder halbwegs brauchbare Stamm wurde zu Holzkohle oder Asche verarbeitet. Undurchdringbares Unterholz, wie man es heute mancherorts findet, dürfte früher selten gewesen sein, denn die Menschen früherer Zeiten lebten auch von ihren Ziegen und Schafen. Diese hielten die Schösslinge kurz. Eine planmäßige Forstwirtschaft, die in Generationen denkt, war früher unbekannt. So dürften wir uns wohl in früheren Zeiten keinen Wald von der jetzigen stacheligen Dichte, sondern vielleicht eher weite, heideartige Ebenen und lichten Weidewald an den Hängen vorstellen. Denken wir noch weiter zurück, als steinzeitliche Jäger diese Gegend durchstreiften, so sind wir natürlich auf Spekulationen angewiesen. Aber es ist kaum anzunehmen, dass die Steinzeitmenschen, welche den Menhir bei Malataverne aufgerichtet haben und sich dafür den höchsten Punkt der Gegend auserwählt hatten, diese Kultstelle mitten in den Hochwald setzen wollten, wo sie fast nicht zu sehen ist. Auch die Feen-Dolmen, Grabmounumente für hochgestellte Persönlichkeiten ihrer Zeit sollten sicher nicht unsichtbar mitten im Wald liegen, sondern an exponierter Stelle zur Geltung kommen. Daraus könnte man schließen, dass bereits in grauer Vorzeit ein Wald in seiner jetzigen Gestalt nicht vorhanden war.
Frühe Spuren des Menschen

Sind 50000, 10000 oder nur 4000 Jahre vergangen, seitdem der Mensch das Tal der Ceze für sich entdeckt hat? Wir wissen es nicht, zumindest nicht genau. Dass er aber schon vor Jahrtausenden hier war, dafür gibt es mancherlei Zeugnisse. Die meisten sind unscheinbar und nur der Vor- und Frühgeschichtler kann oft einen natürlichen Steinsplitter von einem zugerichteten Werkzeug unterscheiden. Trassierungen an den Höhleneingängen sind schon augenfälliger. Nicht zu übersehen sind dagegen die Dolmen und Menhire. Dolmen, aus riesigen Steinplatten aufgestellte vorgeschichtliche Grabkammern, auch Hünengräber oder Megalithgräber genannt, gibt es mehrere im Umkreis von Fereyrolles. Nur eine gute Wegstunde südwärts findet man auf der Hochfläche zwei Dolmen. Eine weitere findet sich bei Mejannes-le-Clap und beim Aven d'Orgnac. Nur wenige Autominuten von Fereyrolles, bei Malataverne, beginnt der einstündige Fußweg zum höchsten Menhir Südfrankreichs. Die gewaltige Steinstelle von vielen Tonnen Gewicht ragt 5,60 m über die Erdoberfläche und steckt noch ein gutes Stück in der Erde. Kaum hundert Meter davon entfernt bemerkt man eine weitere geheimnisvolle Baustelle im Fels, die man dem Wirken der Steinzeitmenschen zuschreiben kann. Welche geistigen Kräfte haben die körperlichen Kräfte dieser frühen Menschen herausgefordert? Wir werden es nicht mehr erfahren.
Lebewesen der Vorzeit begegnen wir auf Schritt und Tritt. Millionen von fossilen Meeresschnecken und -muscheln finden sich in den Gesteinsschichten des Ceze-Tales, kaum dass wir den Fuß vor die Wohnwagentür gesetzt haben. Mehrere große negative Ammoniten-Abdrucke finden sich im Bett der Ceze bei entsprechend niederem Wasserstand auf dem westlichen benachbarten Naturisten-Gelände. Sie sind Zeugen des Muschelkalkmeeres, das vor 160 - 200 Millionen Jahren diese Gegend hier bedeckte. In seinen Ablagerungen (Sedimenten) wurden die abgestorbenen Tiere eingebettet und fossilisiert. In diesem tropischen Meer waren schon damals kalkabscheidende Korallen und Schwämme heimisch, für welche Kalk und Kieselsäure lebensnotwendig waren. Im Laufe der Jahrmillionen bauten sie mächtige Korallen- und Schwammriffe auf, welche aber das gleiche Schicksal erlitten, wie der kleine Tintenfisch oder die Muschel. Sie wurde in die höher und höher steigenden Ablagerungen eingebettet. Starker Druck und chemische Prozesse verdichteten den Schlamm allmählich zu Stein. In der Erdkruste ist immer Bewegung, bis auf den heutigen Tag. Die Alpen falteten sich auf und übten starken Druck auf das starre Central-Massiv aus Granit aus. Was dazwischen war, wurde ermahlen. Unser Land um Fereyrolles taucht im Tertiär vor etwa 70 bis 40 Millionen Jahren aus dem Meer auf und ist nun der Erosion ausgesetzt. Aggressives Regenwasser, angereichert mit der Kohlensäure aus dem Erdvulkanismus, Wind, sengende Sonne und eisiger Frost beginnen vereint ihr zerstörerisches Werk an der neuen Landmasse mit lokal unterschiedlichem Erfolg. Täler werden ausgespült, Berge werden ausgeformt und ausgehöhlt. Die einstigen Korallen- und Schwammriffe tauchen wieder auf, diesmal als Felsen. Ihr zoogenes Gestein widersteht der Erosion länger als die sie umgebenden Sedimentgesteine. So werden oft mächtige Felsgebilde freigestellt, aber nicht für alles Ewigkeit. Auch bei den Felsen läuft der Zerstörungsprozess unaufhaltsam weiter, von innen und von außen. Aus feinen Haarrissen werden Spalten, aus Spalten Klüfte, aus Klüften Gänge und Schächte und letztlich Höhlen. In sie dringt das mit Kohlensäure verbundene Regenwasser ein, löst den Kalk auf und tritt auf wasserundurchlässigen Schichten an den Hängen und im Tal als Karstquelle wieder aus. Senkrechte Schächte im Gebirge bezeichnet man hierzulande als Aven (Aven d'Orgnac usw.), waagerechte Höhlen als Grotte (Cocaliere usw.). Was von Kalkgestein als nicht zersetzbar übrig bleibt, sammelt sich als rostbrauner, weil eisenhaltiger Lehm in den Höhlen oder wird ausgeschwemmt und bildet wieder wasserundurchlässige Schichten. An machen Stellen wird dieser Verwitterungslehm bereits auf den Hochebenen in kleinen Senken der Erdoberfläche zusammengespült und bildet dann dort oeben bereits einen wasserdichten Untergrund, auf dem sich dann Wasser über längere Zeit halten kann. Solche Wasserstellen ermöglichten vermutlich früher erst die Besiedlung des Landes durch den Menschen.
Fortsetzung folgt...